06. Apr. 2026

Schulfach „Digitale Welt“ gestrichen: LSV Hessen zeigt sich entsetzt

Schulfach „Digitale Welt“ gestrichen: LSV Hessen zeigt sich entsetzt

Am vorletzten Freitag verkündete die hessische Landesregierung, dass das „erfolgreiche
Pilotprojekt“ Digitale Welt nun „für alle Schulen geöffnet werde“. In einer Pressemitteilung
beschreibt und lobt das Kultusministerium das Projekt über viele Zeilen. Nur in einem
Nebensatz wird erwähnt, wie es in Zukunft finanziert werden soll: „Zukünftig wird das
Angebot im Rahmen der vorhandenen Ganztagsmittel in den Jahrgangsstufen fünf und
sechs umgesetzt.“ Konkret bedeutet das, dass das Land die Förderung des Schulfachs
durch Lehrstunden einstellt. Nach Recherchen der Frankfurter Rundschau können die
meisten Schulen das Fach dadurch nicht länger anbieten.

Landesschulsprecher Laurenz Spies nimmt Stellung: „In einer Zeit, in der fast alle
Jugendlichen auf Social-Media unterwegs sind und oft mehrere Stunden am Tag
Smartphones und Co. benutzen, ist es umso wichtiger, sie im Umgang mit KI, Fake News
und Cybermobbing zu bilden. Dass jetzt ein so erfolgreiches Projekt faktisch einfach
gestrichen wird, ist ein klarer Rückschritt und macht uns sprachlos.“

Die LSV Hessen fordert schon seit Jahren eine bessere und vor allem flächendeckende
Medienbildung an den Schulen. So müssen Schüler*innen aller Altersstufen lernen, mit
traditionellen und vor allem digitalen Medien und sozialen Netzwerken richtig umzugehen.
„Digitale Welt, in welchem sich die Schüler*innen unter anderem mit Themen wie
verantwortungsbewusster Mediennutzung, Datenschutz und Cyberkriminalität
auseinandersetzten, war hier zumindest ein guter Anfang.“, so Spies.

„Nach den Kürzungen an Brennpunkt- und integrierten Gesamtschulen im Februar“ – hier
war die Landesregierung trotz heftiger Kritik und einer Petition mit mittlerweile fast 50.000
Unterschriften nicht davon abgewichen, rund 400 Lehrerstellen an besonders
herausfordernden und integrierten Gesamtschulen zu streichen – „und dem Handyverbot an
den hessischen Schulen im vergangenen Jahr kommt das Abschaffen von Digitale Welt zwar
plötzlich, aber nicht überraschend. Mal wieder wird über uns und unsere Schulen
entschieden, ohne unsere Meinung zu berücksichtigen“, ergänzt Ted Krämer,
stellvertretender Landesschulsprecher.

Die Landesschüler*innenvertretung Hessen fordert das Ministerium für Kultus, Bildung und
Chancen dazu auf, das Projekt weiter zu fördern und eine flächendeckende, zeitgemäße
Medienbildung an Hessens Schulen zu schaffen. Hierbei sollen Schüler*innen und Lehrkräfte
direkt eingebunden werden, um ein angenehmes Unterrichtserlebnis für alle zu schaffen.

Worum geht es?: Kürzungen genau dort, wo Unterstützung am dringendsten ist

Die schwarz-rote Landesregierung plant Einschnitte im Bildungsetat 2026/27. Im Fokus stehen unter anderem:

300 Stellen weniger über den Sozialindex – also ausgerechnet an Schulen mit den größten sozialen Herausforderungen.

Streichung der Mittel für Binnendifferenzierung an IGS – Mittel, die bisher für Förderangebote, zusätzliche Lernzeiten, Team-Teaching und präventive Unterstützung genutzt wurden (die Frankfurter Rundschau beziffert das u. a. mit 89 Lehrerstellen bei den IGS).

● Insgesamt geht es laut Berichten um Einsparungen von rund 70 Millionen Euro im Bereich des Kultusministeriums, mit weiteren Kürzungsblöcken (u. a. Integrationsklassen).

Ted Krämer (Landesschulsprecher): „Das ist ein Sparen am falschen Ende: Am Sozialindex und und der Binnendifferenzierung zu kürzen heißt, die Schulen zu schwächen, die den größten Auftrag haben. Wer so handelt, produziert mehr Stundenausfall, mehr Bildungsungerechtigkeit und am Ende weniger Abschlüsse.“

Warum das jetzt eskaliert: Hessen kann sich das fachlich nicht leisten

Die LSV Hessen verweist darauf, dass die Lage in den Klassenzimmern längst kritisch ist – und die Daten warnen. Der IQB-Bildungstrend 2024 zeigt bundesweit deutlich schlechtere Ergebnisse: Regelstandards werden seltener erreicht, Mindeststandards häufiger verfehlt; in Mathematik verfehlen z. B. rund 34 % aller Schüler*innen den Mindeststandard für den Mittleren Schulabschluss.

„Und wer sich nicht klar macht, dass wir gerade nicht weniger riskieren als die Zukunftsfähigkeit dieses Landes und dann so tut, als wäre das ein normales Bildungsproblem, versteht das Problem nicht.“ so Luca Albert Dobrita (Landesschulsprecher).

Was die Kürzungen bedeuten würden

Die LSV Hessen warnt vor konkreten Folgen, die sich unmittelbar in Schulen zeigen werden:

Weniger Lehrkräfte an Schulen mit den größten Herausforderungen → weniger individuelle Förderung, höhere Belastung, schlechtere Lernbedingungen.

Weniger Ressourcen für Binnendifferenzierung → weniger Unterstützung für unterschiedliche Lernstände, Sprachbedarf und besondere Bedürfnisse.

 

Abbau dort, wo Leistungslücken bereits bestehen → soziale Ungleichheit wird verschärft statt bekämpft.

Unsere Forderung an Kultusminister Armin Schwarz und die Landesregierung (CDU/SPD)

Die LSV fordert:

1. Alle Kürzungspläne im Bildungsbereich sofort zurücknehmen.

2. Personal und pädagogische Ausstattung hingegen stärken, besonders an Schulen mit sozialen Herausforderungen. Der Sozialindex muss ausgebaut statt abgebaut werden.

3. Förderstrukturen an IGS sichern (Binnendifferenzierung ist Voraussetzung für faire Bildungswege).

4. Transparenz, welche Stellen/Programme konkret betroffen sind und welche Folgen das pro Schule hat.

Landesweite Mobilisierung: Demos jetzt – Streikoption als nächsten möglichen Schritt

Die LSV ruft Schüler*innenvertretungen, Stadt-/Kreisschüler*innenvertretungen und Schulcommunitys dazu auf, landesweit Demonstrationen zu initiieren und zu koordinieren. Ab sofort stellt die LSV Sharepics, Story-Vorlagen und Plakatmaterial zur Verfügung, um lokale Aktionen schnell hochzufahren.

Gleichzeitig betont die LSV: Sollte die Landesregierung nicht einlenken, behalten wir uns weitere großangelegte Protestformen ausdrücklich vor – bis hin zu einem landesweiten, koordinierten Bildungsstreik als letzten, möglichen Schritt.

Petition (initiiert vom Stadtelternbeirat Offenbach)

Jetzt unterschreiben & teilen: https://weact.campact.de/petitions/keine-kurzungen-in-der-hessischen-schulbildung

PM als PDF lesen

digitale Welt PM

Über die Landesschüler*innenvertretung (LSV) Hessen:

Die Landesschüler*innenvertretung Hessen vertritt die Interessen aller Schüler*innen des Landes und setzt sich für alle Belange zum Thema Schulpolitik aus Sicht der Schüler*innen ein. Als gesetzlich legitimierte Vertretung arbeitet sie mit Bildungspolitikerinnen und anderen Akteurinnen des Bildungssystems zusammen, um die Stimme der hessischen Schüler*innen in Entscheidungsprozesse einzubringen.

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