06. März 2026
Die Lage hat sich dramatisch verändert“: LSV ruft zu landesweiten Demos gegen Bildungskürzungen auf
Die Lage hat sich dramatisch verändert“: LSV ruft zu landesweiten Demos gegen Bildungskürzungen auf – Streik als letzter möglicher Schritt
Die Landesschüler*innenvertretung Hessen (LSV) reagiert auf die sich zuspitzenden Kürzungspläne im hessischen Bildungshaushalt für 2026. Nachdem die LSV bereits am 10. Februar 2026 öffentlich vor Kürzungen an Integrierten Gesamtschulen (IGS) gewarnt hat, ist inzwischen klar: Es geht um ein deutlich größeres Kürzungspaket – und um ein extrem enges Zeitfenster. Nach aktuellem Stand bleiben weniger als zwei Wochen, um politischen Druck wirksam zu machen, bevor entscheidende Weichenstellungen im Haushalt fallen.
Die LSV unterstützt ausdrücklich die Petition „Keine Kürzungen in der hessischen Schulbildung!“. Die Petition erreichte von selbst und ohne viel Werbung bereits in kürzester Zeit massive Reichweite – allein die 5.000 Unterschriften wurden innerhalb von rund 48 Stunden geknackt.
Laurenz Spies (Landesschulsprecher) betont: „Dass Eltern kommunal diese Petition gestartet haben, ist ein starkes Signal. Wir tragen die Initiative landesweit mit – weil Bildung nicht kaputtgespart werden darf. Jetzt zählt jede Stimme, weil uns effektiv weniger als zwei Wochen bleiben.“
„Für die Schüler*innenschaft ist Verlässlichkeit zentral“, so Spies weiter. „Die derzeitige Unsicherheit führt zu Orientierungslosigkeit, erschwert Planungen für Familien und belastet das schulische Miteinander. Eine Schule kann nur dann gut arbeiten, wenn Rahmenbedingungen klar definiert sind und das auch langfristig.”
Worum geht es?: Kürzungen genau dort, wo Unterstützung am dringendsten ist
Die schwarz-rote Landesregierung plant Einschnitte im Bildungsetat 2026/27. Im Fokus stehen unter anderem:
● 300 Stellen weniger über den Sozialindex – also ausgerechnet an Schulen mit den größten sozialen Herausforderungen.
● Streichung der Mittel für Binnendifferenzierung an IGS – Mittel, die bisher für Förderangebote, zusätzliche Lernzeiten, Team-Teaching und präventive Unterstützung genutzt wurden (die Frankfurter Rundschau beziffert das u. a. mit 89 Lehrerstellen bei den IGS).
● Insgesamt geht es laut Berichten um Einsparungen von rund 70 Millionen Euro im Bereich des Kultusministeriums, mit weiteren Kürzungsblöcken (u. a. Integrationsklassen).
Ted Krämer (Landesschulsprecher): „Das ist ein Sparen am falschen Ende: Am Sozialindex und und der Binnendifferenzierung zu kürzen heißt, die Schulen zu schwächen, die den größten Auftrag haben. Wer so handelt, produziert mehr Stundenausfall, mehr Bildungsungerechtigkeit und am Ende weniger Abschlüsse.“
Warum das jetzt eskaliert: Hessen kann sich das fachlich nicht leisten
Die LSV Hessen verweist darauf, dass die Lage in den Klassenzimmern längst kritisch ist – und die Daten warnen. Der IQB-Bildungstrend 2024 zeigt bundesweit deutlich schlechtere Ergebnisse: Regelstandards werden seltener erreicht, Mindeststandards häufiger verfehlt; in Mathematik verfehlen z. B. rund 34 % aller Schüler*innen den Mindeststandard für den Mittleren Schulabschluss.
„Und wer sich nicht klar macht, dass wir gerade nicht weniger riskieren als die Zukunftsfähigkeit dieses Landes und dann so tut, als wäre das ein normales Bildungsproblem, versteht das Problem nicht.“ so Luca Albert Dobrita (Landesschulsprecher).
Was die Kürzungen bedeuten würden
Die LSV Hessen warnt vor konkreten Folgen, die sich unmittelbar in Schulen zeigen werden:
● Weniger Lehrkräfte an Schulen mit den größten Herausforderungen → weniger individuelle Förderung, höhere Belastung, schlechtere Lernbedingungen.
● Weniger Ressourcen für Binnendifferenzierung → weniger Unterstützung für unterschiedliche Lernstände, Sprachbedarf und besondere Bedürfnisse.
● Abbau dort, wo Leistungslücken bereits bestehen → soziale Ungleichheit wird verschärft statt bekämpft.
Unsere Forderung an Kultusminister Armin Schwarz und die Landesregierung (CDU/SPD)
Die LSV fordert:
1. Alle Kürzungspläne im Bildungsbereich sofort zurücknehmen.
2. Personal und pädagogische Ausstattung hingegen stärken, besonders an Schulen mit sozialen Herausforderungen. Der Sozialindex muss ausgebaut statt abgebaut werden.
3. Förderstrukturen an IGS sichern (Binnendifferenzierung ist Voraussetzung für faire Bildungswege).
4. Transparenz, welche Stellen/Programme konkret betroffen sind und welche Folgen das pro Schule hat.
Landesweite Mobilisierung: Demos jetzt – Streikoption als nächsten möglichen Schritt
Die LSV ruft Schüler*innenvertretungen, Stadt-/Kreisschüler*innenvertretungen und Schulcommunitys dazu auf, landesweit Demonstrationen zu initiieren und zu koordinieren. Ab sofort stellt die LSV Sharepics, Story-Vorlagen und Plakatmaterial zur Verfügung, um lokale Aktionen schnell hochzufahren.
Gleichzeitig betont die LSV: Sollte die Landesregierung nicht einlenken, behalten wir uns weitere großangelegte Protestformen ausdrücklich vor – bis hin zu einem landesweiten, koordinierten Bildungsstreik als letzten, möglichen Schritt.
Petition (initiiert vom Stadtelternbeirat Offenbach)
Jetzt unterschreiben & teilen: https://weact.campact.de/petitions/keine-kurzungen-in-der-hessischen-schulbildung
PM als PDF lesen
Über die Landesschüler*innenvertretung (LSV) Hessen:
Die Landesschüler*innenvertretung Hessen vertritt die Interessen aller Schüler*innen des Landes und setzt sich für alle Belange zum Thema Schulpolitik aus Sicht der Schüler*innen ein. Als gesetzlich legitimierte Vertretung arbeitet sie mit Bildungspolitikerinnen und anderen Akteurinnen des Bildungssystems zusammen, um die Stimme der hessischen Schüler*innen in Entscheidungsprozesse einzubringen.
