28. Okt. 2026
3. Hessische Schüler*innenbefragung offenbart dringenden Handlungsbedarf an Hessens Schulen!
3. Hessische Schüler*innenbefragung offenbart dringenden Handlungsbedarf an Hessens Schulen!
Leistungsdruck, fehlende Unterstützung und mangelnde Chancengerechtigkeit – die
Landesschüler*innenvertretung Hessen fordert Konsequenzen vom Kultusministerium
Die Ergebnisse der 3. Hessischen Schüler*innenbefragung (HeSchüB) zeigen deutlich:
Hessens Schulen stehen vor großen Herausforderungen. Insgesamt 15.978 Schüler*innen
ab Klassenstufe 5 haben an der Befragung teilgenommen und ihre Erfahrungen zu Themen
wie Leistungsdruck, digitaler Bildung, Mobbing, Mobilität und finanzieller Bildung geteilt. Die
Ergebnisse machen deutlich, dass die Bedürfnisse junger Menschen im Schulalltag noch
immer zu wenig berücksichtigt werden. Die Landesschüler*innenvertretung Hessen (LSV)
fordert das Hessische Kultusministerium auf, die Erkenntnisse ernst zu nehmen und konkrete
Verbesserungen auf den Weg zu bringen.
Leistungsdruck bestimmt den Schulalltag
Die Zahlen zum schulischen Leistungsdruck sind alarmierend: 39 Prozent der Befragten
fühlen sich häufig durch schulische Leistungen unter Druck gesetzt, insgesamt berichten 67
Prozent zumindest manchmal davon. 64 Prozent machen sich häufig oder manchmal Sorgen
wegen schlechter Noten. Bei 53 Prozent führt das Lernen bis spät in die Nacht häufig oder
manchmal zu weniger und schlechterem Schlaf. Gleichzeitig fehlt 61 Prozent häufig oder
manchmal Zeit für ihre Hobbys.
Diese Ergebnisse zeigen, dass Schule für viele Schüler*innen nicht mit dem Unterricht endet.
Leistungsanforderungen wirken sich auf Erholung, Schlaf und Freizeit aus. Besonders am
Gymnasium und in der Oberstufe ist der häufig empfundene Leistungsdruck ausgeprägt.
Die Schüler*innen benennen auch konkrete Verbesserungsmöglichkeiten: 70 Prozent
wünschen sich verständlichere Erklärungen durch Lehrkräfte, 57 Prozent mehr Hilfe beim
Verstehen des Unterrichtsstoffs und 56 Prozent mehr individuelle Unterstützung. Für die LSV
ist klar: Gute Bildung darf nicht allein davon abhängen, wie gut Schüler*innen sich Inhalte
selbstständig aneignen können. Es braucht ausreichend Zeit zum Üben, verständlichen Unterricht und individuelle Förderung. Das Kultusministerium muss die Rahmenbedingungen
dafür schaffen.
Künstliche Intelligenz ersetzt teilweise fehlende Erklärungen
Auch der Umgang mit künstlicher Intelligenz (KI) gehört inzwischen zum Schulalltag. 80
Prozent der Befragten nutzen KI regelmäßig oder gelegentlich für schulische Zwecke. 64
Prozent setzen sie ein, um zusätzliche Erklärungen zu erhalten, 54 Prozent zur
Unterstützung bei Hausaufgaben.
Diese Zahlen sind nicht nur Ausdruck der technischen Entwicklung. Wenn Schüler*innen KI
nutzen, um Unterrichtsinhalte noch einmal erklärt zu bekommen, muss auch die Qualität des
Unterrichts in den Blick genommen werden. Digitale Werkzeuge können beim Lernen helfen,
dürfen aber nicht zur notwendigen Ersatzlösung für fehlende Unterstützung werden.
68 Prozent halten es für wichtig, in der Schule etwas über KI zu lernen. Die LSV fordert
deshalb, digitale Kompetenzen und einen kritischen Umgang mit KI systematisch in den
Unterricht zu integrieren. Dazu gehören neben der korrekten Nutzung auch Datenschutz und
Risiken. Schüler*innen brauchen Orientierung statt bloßer Verbote.
Leistungsstarke und zugleich vergleichsweise gerechte Bildungssysteme lassen Schüler*innen
häufig länger gemeinsam lernen, erkennen Schwierigkeiten frühzeitig und fördern gezielt.
Besonders für Kinder aus sozial benachteiligten Familien besteht die Gefahr, dass aus
unterschiedlichen Ausgangsbedingungen dauerhafte Bildungsunterschiede werden.
Social Media: hohe Nutzung, ungleiche Chancen bei der Medienkompetenz
Soziale Medien sind fester Bestandteil des Lebens vieler Schüler*innen. Rund 87 Prozent
nutzen YouTube täglich, Instagram 64 Prozent, Snapchat 60 Prozent und TikTok 59 Prozent.
Etwa 36 Prozent verbringen mehr als vier Stunden täglich in sozialen Medien. Dabei zeigen
sich Unterschiede zwischen den Schulformen: An Hauptschulen verbringen 27 Prozent mehr
als sechs Stunden täglich in sozialen Medien, an Gymnasien sind es acht Prozent.
Die Befragten erkennen verschiedene Risiken, darunter Fake News, die Weitergabe
persönlicher Daten, Beleidigungen und Cybermobbing. Bei politischen und extremistischen
Inhalten zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede: Während 44 Prozent der
Gymnasiast*innen solche Inhalte als Risiko benennen, sind es bei Hauptschüler*innen
lediglich 19 Prozent.
Medienkompetenz darf nicht vom Bildungsgang abhängen. Die LSV fordert deshalb eine
verbindliche und praxisnahe Medienbildung an allen Schulformen. Schüler*innen müssen
lernen, Falschinformationen zu erkennen, persönliche Daten zu schützen und
problematische Inhalte kritisch einzuordnen.
Cybermobbing braucht mehr als gute Absichten
Fünf Prozent der Befragten geben an, in den vergangenen zwölf Monaten selbst von
Cybermobbing betroffen gewesen zu sein; 15 Prozent kennen Betroffene. An Hauptschulen
berichten rund elf Prozent von eigener Betroffenheit, am Gymnasium sind es vier Prozent.
Gleichzeitig fällt die schulische Prävention aus Sicht vieler Schüler*innen unzureichend aus:
Nur 16 Prozent geben an, dass Lehrkräfte sie intensiv über Cybermobbing aufgeklärt haben.
23 Prozent berichten, dass eine solche Aufklärung durch Lehrkräfte gar nicht stattgefunden
habe. Auch Schulsozialarbeit und Medienscouts erreichen offenbar nicht alle Schüler*innen.
Die LSV fordert, Prävention und Unterstützung an allen Schulen dauerhaft zu verankern.
Dafür braucht es ausreichend Schulsozialarbeit, geschulte Ansprechpersonen und eine
Medienbildung, die auch digitale Gewalt einschließt. Betroffene müssen schnell Hilfe erhalten – unabhängig von Schulform und Standort.
Mobilität darf nicht zur zusätzlichen Belastung werden
Auch der Schulweg belastet viele Schüler*innen. 47 Prozent benötigen täglich mehr als 30
Minuten für ihren Weg, 18 Prozent sogar mehr als eine Stunde. 38 Prozent geben an, dass
ihnen durch den Heimweg häufig oder immer Freizeit verloren geht. Hinzu kommen
Probleme im öffentlichen Nahverkehr: 76 Prozent erleben häufig oder immer überfüllte Busse
und Bahnen, 59 Prozent Verspätungen und 43 Prozent Ausfälle. 28 Prozent kommen
dadurch häufig oder immer gestresst an.
Zudem besitzen 33 Prozent kein Hessenticket und kein anderes Zeitfahrtticket. 72 Prozent
sprechen sich für ein kostenloses Ticket für alle Schüler*innen aus. Für die LSV ist ein
bezahlbarer und verlässlicher Schulweg eine Voraussetzung für Bildungsgerechtigkeit. Sie
bekräftigt daher ihre Forderung nach einem kostenlosen Ticket für alle Schüler*innen und
einem öffentlichen Nahverkehr, auf den sie sich verlassen können.
Finanzielle Bildung kommt in der Schule zu kurz
Die Befragung zeigt auch erhebliche Lücken bei der finanziellen Bildung. 55 Prozent
bewerten ihre eigenen Kenntnisse zu Finanzthemen als eher schlecht oder schlecht. 49
Prozent geben an, dass finanzielle Themen in der Schule bisher überhaupt nicht behandelt
wurden. Gleichzeitig wünschen sich 81 Prozent, dass Lehrkräfte diese Inhalte vermitteln.
Ob Versicherungen, Verträge, Lebenshaltungskosten, Inflation oder Schulden: Finanzielle
Entscheidungen begleiten junge Menschen weit über die Schulzeit hinaus. Die LSV fordert deshalb, finanzielle Bildung verbindlich in den Schulalltag zu integrieren und Schüler*innen
auf alltägliche Herausforderungen vorzubereiten.
Die Ergebnisse müssen Konsequenzen haben
Die 3. Hessische Schüler*innenbefragung zeigt, dass die Herausforderungen je nach
Schulform unterschiedlich ausfallen. Während Schüler*innen an Gymnasien und in der
Oberstufe besonders häufig von Leistungsdruck berichten, zeigen sich an Hauptschulen
unter anderem höhere Werte bei der eigenen Cybermobbing-Betroffenheit und eine
intensivere Nutzung sozialer Medien. An beruflichen Schulen bestehen zudem Lücken bei
der Erreichbarkeit unterstützender Angebote.
Gegenüber der 2. HeSchüB von 2022 stehen in der aktuellen Befragung andere
beziehungsweise weiterentwickelte Themen im Mittelpunkt. Ein direkter zahlenmäßiger
Vergleich ist deshalb nur eingeschränkt möglich. Die Ergebnisse der neuen Befragung liefern
jedoch klare Hinweise darauf, wo Schulen und Bildungspolitik ansetzen müssen.
Die LSV Hessen fordert das Kultusministerium auf, die Stimmen der Schüler*innen nicht nur
zur Kenntnis zu nehmen, sondern daraus konkrete Maßnahmen abzuleiten. Dazu gehören
eine bessere Unterstützung im Unterricht, verbindliche Medien- und Finanzbildung, wirksame
Prävention gegen Cybermobbing, ausreichend Schulsozialarbeit und eine verlässliche
Mobilität für alle Schüler*innen.
Mobilität für alle Schüler*innen.
Schüler*innen sind die unmittelbar Betroffenen bildungspolitischer Entscheidungen. Ihre
Erfahrungen müssen deshalb ernst genommen werden und in die Gestaltung von Schule
einfließen. Die Konsequenzen liegen auf dem Tisch – jetzt ist die Landesregierung gefordert,
zu handeln.
Die gesamten Ergebnisse der 3. Hessischen Schüler*innenbefragung finden Sie auf unserer
Website www.lsv-hessen.de. Für Rückfragen stehen wir jederzeit gerne unter
post@lsv-hessen.de zur Verfügung.
Für Presseanfragen und weitere Informationen:
www.lsv-hessen.de
post@lsv-hessen.de
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Über die Landesschüler*innenvertretung (LSV) Hessen:
Die Landesschüler*innenvertretung Hessen vertritt die Interessen aller Schüler*innen des Landes und setzt sich für alle Belange zum Thema Schulpolitik aus Sicht der Schüler*innen ein. Als gesetzlich legitimierte Vertretung arbeitet sie mit Bildungspolitikerinnen und anderen Akteurinnen des Bildungssystems zusammen, um die Stimme der hessischen Schüler*innen in Entscheidungsprozesse einzubringen.
