09. Sep. 2026

PISA 2025: LSV fordert Kurswechsel in Hessen!

Pisa 2025: Landesschüler*innenvertretung fordert Kurswechsel in Hessen

Wachsende soziale Kluft und sinkende Lesekompetenz – LSV Hessen fordert mehr
Investitionen in Bildungsgerechtigkeit, verbindliche Medienbildung und längeres
gemeinsames Lernen

Die am Dienstag veröffentlichte PISA-Studie 2025 weist für Deutschland in allen drei
Kompetenzbereichen die niedrigsten Werte seit Beginn der Erhebung aus. Rund ein Drittel der
15-Jährigen verfehlt in Lesen und Mathematik das Mindestniveau, das die OECD als
Voraussetzung für Ausbildung, Beruf und gesellschaftliche Teilhabe betrachtet. Besonders
deutlich ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Leistung: Sozial begünstigte
Jugendliche erreichen in den Naturwissenschaften 125 Punkte mehr als benachteiligte
Jugendliche; im OECD-Durchschnitt beträgt der Unterschied 85 Punkte. Während sich dieser
Abstand im OECD-Raum seit 2015 verringert hat, ist er in Deutschland gewachsen.

Die hessische Landesregierung hat in der vergangenen Woche ein Bildungschancenpaket mit
680 zusätzlichen Lehrkräftestellen vorgestellt. Davon sind 200 Stellen über den Sozialindex für
Schulen mit besonderem Unterstützungsbedarf vorgesehen. Zuvor waren zum laufenden
Schuljahr 300 Sozialindex-Stellen sowie rund 90 Stellen für die Binnendifferenzierung an
Integrierten Gesamtschulen gestrichen worden. Selbst nach der schrittweisen Rückgabe von 200
Sozialindex-Stellen wird das frühere Niveau damit nicht wieder erreicht. Die OECD empfiehlt
ausdrücklich, zusätzliche Ressourcen gezielt auf benachteiligte Schüler*innen und Schulen zu
konzentrieren.

Es ist definitiv richtig, dass nach monatelanger Kritik wieder in Schulen mit schwieriger
Ausgangslage investiert wird. Aber 200 neue Stellen können die vorherigen Kürzungen nicht
ausgleichen. Wer Bildungsgerechtigkeit will, muss gerade dort dauerhaft mehr Ressourcen
bereitstellen.“, erklärt Landesschulsprecher Laurenz Spies.

Den stärksten Rückgang verzeichnet die Lesekompetenz. Die OECD verweist auf ein
verändertes Leseverhalten in der digitalen Welt und betont, dass gerade die Fähigkeit,
Informationen zu verstehen, einzuordnen und kritisch zu prüfen, weiter an Bedeutung gewinnt.
Tägliche Lesezeit, Medienführerschein und das verpflichtende Angebot „KI und Digitale Welt“
gehen deshalb grundsätzlich in die richtige Richtung. Die LSV Hessen fordert flächendeckende
Medienbildung seit Jahren von der Einschulung bis zum Schulabschluss. Viele der zentralen
neuen Maßnahmen zur Stärkung von Basiskompetenzen und Medienbildung konzentrieren sich
jedoch auf die jüngeren Jahrgänge und greifen teilweise erst in mehreren Jahren.

Die zusätzliche Deutschstunde kommt beispielsweise erst zum Schuljahr 2028/29. Für die 15-Jährigen, die PISA
untersucht, und für alle, die heute in der Mittel- oder Oberstufe sitzen, enthält das Paket nichts.

Medienkompetenz ist eine zentrale Zukunftskompetenz. Trotzdem ist sie seit Jahren in
den Lehrplänen nicht ausreichend verankert. Die PISA-Ergebnisse zeigen erneut, dass wir
Medienbildung nicht als Zusatz behandeln dürfen. Schüler*innen müssen in jeder
Jahrgangsstufe lernen, Informationen kritisch zu prüfen, digitale Medien sicher zu nutzen
und sich kompetent in einer zunehmend von KI geprägten Welt zu bewegen“, so Spies.

Auch die Struktur des deutschen Schulsystems spielt für Bildungsgerechtigkeit eine wichtige
Rolle. Im Lesen verfehlen an Gymnasien 5 Prozent der Jugendlichen das Mindestniveau, an
nicht-gymnasialen Schulformen sind es 43 Prozent. Für die Landesschüler*innenvertretung
Hessen bestätigt PISA damit eine langjährige Position: Wenn Kinder bereits nach der vierten
Klasse auf unterschiedliche Schulformen verteilt werden, können soziale Unterschiede früh
verfestigt werden, anstatt sie durch gezielte Förderung auszugleichen.

Leistungsstarke und zugleich vergleichsweise gerechte Bildungssysteme lassen Schüler*innen
häufig länger gemeinsam lernen, erkennen Schwierigkeiten frühzeitig und fördern gezielt.
Besonders für Kinder aus sozial benachteiligten Familien besteht die Gefahr, dass aus
unterschiedlichen Ausgangsbedingungen dauerhafte Bildungsunterschiede werden.

Die LSV Hessen fordert deshalb, die Entscheidung über den weiteren Bildungsweg so lange wie
möglich offenzuhalten, das gemeinsame Lernen bis zum Ende der Sekundarstufe I auszubauen
und individuelle Förderung in jedem Klassenraum zur Regel zu machen. Dazu gehören
ausreichend Lehrkräfte, multiprofessionelle Teams, kleinere Lerngruppen und eine Förderung, die
sich am tatsächlichen Unterstützungsbedarf der Schüler*innen orientiert.

Wir kritisieren seit Jahrzehnten das, was die Zahlen erneut zeigen: Wo Kinder nach der
vierten Klasse sortiert werden und individuelle Förderung auf dem Papier bleibt, prägt die
soziale Herkunft den Bildungsweg stärker, als es ein gerechtes Schulsystem zulassen
darf. Länger gemeinsam lernen ist keine Ideologie, sondern das, was die erfolgreichsten
Bildungssysteme der Welt tun“, so Spies abschließend.

 

Für Presseanfragen und weitere Informationen:

www.lsv-hessen.de

post@lsv-hessen.de

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PISA 2025 PM

Über die Landesschüler*innenvertretung (LSV) Hessen:

Die Landesschüler*innenvertretung Hessen vertritt die Interessen aller Schüler*innen des Landes und setzt sich für alle Belange zum Thema Schulpolitik aus Sicht der Schüler*innen ein. Als gesetzlich legitimierte Vertretung arbeitet sie mit Bildungspolitikerinnen und anderen Akteurinnen des Bildungssystems zusammen, um die Stimme der hessischen Schüler*innen in Entscheidungsprozesse einzubringen.

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