Schuljahresbeginn: LSV sieht große Herausforderungen fürs nächsten Schuljahr

Schuljahresbeginn: LSV sieht große Herausforderungen fürs nächsten Schuljahr

Am 14. August beginnt in Hessen ein neues Schuljahr. Die hessische Landesschülervertretung nimmt den Schuljahresbeginn und die Pressekonferenz des Kultusministers zum Anlass, um auf die aus ihrer Sicht größten und dringendsten Herausforderungen für Hessens Schulen hinzuweisen.

Landesschulsprecher Fabian Pflume bezeichnet das kommendes Schuljahr als „letzte Chance“, um  nach der Landtagswahl in etwa einem Jahr bildungspolitisch keine riesige Baustelle zu hinterlassen. „Hessen muss jetzt aufwachen und Gas geben, sonst verlieren wir im bundesweiten Vergleich den Anschluss.“

„Wir sind gespannt, für was der Kultusminister sich selbst und das Kultusministerium auf seiner Pressekonferenz am Donnerstag loben möchte, uns zumindest würde es schwer fallen. Aber Herr Lorz ist Politiker, der schafft das schon“, meint Pflume augenzwinkernd.

Ganztagsschulausbau

Der Aus- und Aufbau von Ganztagsschulen geht in Hessen so schleppend voran, wie in kaum einem anderen Bundesland. Der Prozentsatz der Grundschüler mit Nachmittagsbetreuung ist mit 42% deutlich unterdurchschnittlich (bundesweit 56%)[1]. „Der Ausbau und die Steigerung der Attraktivität von echten Ganztagsschulen müssen dieses Jahr einen höheren Stellenwert haben. Der Pakt für den Nachmittag als kostenpflichtiges Betreuungsangebot ist da der falsche Weg“, kritisiert  Pflume.

Inklusion

Kein Bundesland ermöglicht so wenigen beeinträchtigen Schülerinnen und Schülern den Zugang zur Regelschule wie Hessen. „Inklusion ist ein Menschenrecht! Die Landesregierung muss alles versuchen, um dieses Menschenrecht zu verwirklichen. Wichtig wären jetzt noch mehr Förderschullehrkräfte für Regelschulen und schnelle Unterstützung für Lehrerinnen und Lehrer durch Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen“, macht Pflume deutlich.

Lehrermangel

„Solange Unterricht ausfällt, Vertretungslehrerinnen und-lehrer nur befristet angestellt werden, Fächer fachfremd unterrichtet werden und Pensionäre –wie aktuell an Grund- und Förderschulen- zurück in die Schule gerufen werden, läuft noch vieles falsch!“, stellt Fabian Pflume klar, „Die Bertelsmann Stiftung rechnet mit bundesweit einer Millionen neuen Schülerinnen und Schüler bis 2025, das wird auch an Hessen nicht vorbei gehen. Neue Referendare und Lehrkräfte kommen aber nicht aus dem nichts. Die Attraktivität des Lehrerberufs und die Kapazitäten der Universitäten müssen erhöht werden. Eine Lehrerausbildung dauert mindestens 6 Jahre, wenn die Landesregierung nicht jetzt reagiert, ist Hessen für 2025 nicht gewappnet.“

Integration

Die Integration in Hessen ist gezeichnet von mangelnden Lehrkräften, die Deutsch als Zweitsprache unterrichten können, und der Verunsicherung unter den direkt Betroffenen durch Abschiebungen in gefährliche  Länder wie Afghanistan. „Dieses Schuljahr müssen Maßnahmen ergriffen werden, um all denen, die im Sommer 2015 nach Deutschland kamen, ein möglichst reibungslosen Übergang in die Ausbildung zu ermöglichen“, findet Pflume.

Investitionsstau

Bundesweit fehlen 34 Milliarden Euro zur Sanierung und Instandhaltung der Schulgebäude. Die 55 Millionen Euro, die die Landesregierung Kommunen wie Frankfurt oder Wiesbaden zur Verfügung stellen möchte (KIP macht Schule), reichen bei weitem nicht aus, um die hessischen Schulen wieder auf Vordermann zu bringen. Aus Sicht der LSV müssen sich dafür alle Beteiligten (Schulträger, Land, Bund) zusammentun.

Digitalisierung

Unterricht funktioniert in Hessen leider immer noch weitestgehend analog. „Dieses Schuljahr muss die Politik Geld in die Hand nehmen und die Schulen digital ausstatten. Außerdem müssen Lehrerinnen und Lehrern Wege gezeigt werden, wie ‚neue‘ Medien den Unterricht voran bringen können. Wichtig ist aber auch ein Umdenken im Kopf: 40% der Lehrer glauben, dass die Digitalisierung das Leben ihrer Schüler nicht beeinflussen wird. Weil das im Unterricht spürbar ist, droht eine ganze Generation für ihre Zukunft –egal ob privat oder beruflich- nicht gewappnet zu sein.“, erläutert Pflume.

Neues Schulgesetz

Ihre Kritik am neuen Schulgesetz hat die LSV mehrfach geäußert: Die Änderungen sind oft rein kosmetisch und fördern die Bürokratisierung der Schulen. „Wir fürchten, dass das neue Schulgesetz und die dazugehörigen Verordnungen die Lehrerinnen und Lehrer bei ihrer Arbeit zusätzlich belasten und alleine lassen. Wichtige Herausforderungen hingegen, wie die Demokratisierung der Schulen oder die Schaffung von mehr Individualität in der Oberstufe werden nicht angepackt“, beklagt Fabian Pflume.

 

[1] https://www.bmfsfj.de/blob/117804/9c9d6959a3e29df23b7a26db81e1fc18/chartbook-gute-ganztagesangebote-fuer-grundschulkinder-data.pdf  (8. August.2017)