Pressekonferenz der Kultusministers: Lückenhaft und realitätsfern

Landesschulsprecher Fabian Pflume bezeichnete die heutige Pressekonferenz von Kultusminister Alexander Lorz als „lückenhaft“. „Interessant ist, was der Kultusminister nicht angesprochen hat: Dass Hessen so wenigen Jugendlichen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen den Zugang zur Regelschule ermöglicht, wie kein anderes Bundesland und unterdurchschnittlich wenige Ganztagsschulplätze anbietet, wurde überhaupt nicht thematisiert. Auch das Wort Digitalisierung fiel kein einziges Mal“, meint Pflume enttäuscht.

Intensiv und ausführlich thematisierte Prof. Dr. Lorz dagegen die Lehrerversorgung in Hessen. Die Interpretation der vorliegenden Zahlen allerdings zeugt von Realitätsferne. Dass ein Prozent der Grundschullehrerstellen nicht besetzt wurden, bedeutet nicht, dass an jeder Schule 1% der Arbeit von anderen getragen wird, man kann Lehrkräfte ja nicht zerteilen. „An meiner eigenen Grundschule hatten wir 6 Lehrerinnen und Lehrer. Wenn dort eine Stelle unbesetzt geblieben wäre, hätte das ein Fünftel mehr Arbeit für alle anderen Kolleginnen und Kollegen bedeutet“, berichtet Pflume. „Insbesondere für die vielen kleinen Grundschulen kann der Lehrermangel einen schweren Einschnitt bedeuten.“

Außerdem sei die Planung der Landesregierung zu kurzfristig, meint die Landesschülervertretung. Mit Blick auf die in der Bertelsmann Studie veröffentlichten Zahlen muss auch Hessen mit wachsenden Schülerzahlen rechnen. „In allen Bereichen, nicht nur an Grund- und Förderschulen, müssen die Ausbildungs­kapazitäten der Universitäten erhöht werden. Auch die Attraktivität des Lehrerberufes ist steigerungsbedürftig. Das ginge zum Beispiel durch eine fairere Bezahlung, egal ob Grund- oder Gymnasiallehrer oder Quereinsteiger“, betont der Landesschulsprecher, „Ein Lehramtsstudium dauert samt Referendariat durchschnittlich 6½ Jahre, die Lehrerausbildung muss jetzt im Fokus stehen, damit Hessens Schulen auch für die steigende Schülerzahlen gewappnet sind!“